Erzählung von Klimaflucht

Martin WEIER

Informatikprofessor aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Erlebte die verhängnisvolle Nacht, in der die Ahr im Juli 2021 über die Ufer trat und sein Zuhause zerstörte.
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Martin Weier erlebte die verhängnisvolle Nacht, in der die Ahr im Juli 2021 über die Ufer trat und sein Zuhause zerstörte. Er lebte mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern in Bad Neuenahr-Ahrweiler, kaum hundert Meter vom Fluss entfernt. Am frühen Abend schien noch alles normal – Regen, Nachbarn, Sandsäcke, Routine. Dann kam das Wasser. Innerhalb von Minuten wurde aus dem Rinnsal ein Strom, der Häuser und Autos fortspülte. Weier trug seine Kinder im Halbschlaf aus dem Haus, kämpfte sich durch die Strömung, suchte Schutz – erst bei den Eltern, dann wieder weiter. In dieser Nacht wurde die Ahr zum reißenden Fluss, der ganze Straßenzüge, Leben, Erinnerungen und Sicherheit mitriss. Am Morgen danach stand die Welt still. Das Haus überflutet, Möbel zerstört, Nachbarn tot. Doch für viele begann kein Aufbruch, sondern ein erzwungenes Bleiben. Auch Martin Weier durfte die alte Heimat nicht einfach verlassen. Versicherungen und Wiederaufbaufonds knüpften Hilfen an die Bedingung, dass am alten Platz wiederaufgebaut wird. Wer ging, verlor den Anspruch. So blieb man – aus Verpflichtung, aus Bindung, aus Mangel an Alternativen. Weier begann aufzuräumen, Schlick zu schaufeln, Technik zu bergen, zu retten, was ging. „Wir wollten einfach nur weitermachen“, sagt er. Doch die Erfahrung der Flut hat alles verändert: das Verhältnis zum Wasser, zur Sicherheit, zur eigenen Existenz. Heute lebt die Familie wieder im neuen Haus, wachsamer, vorsichtiger. Martin Weier spricht von Verantwortung und von der Erkenntnis, dass Klimawandel kein fernes Phänomen ist. Wer an der Ahr lebt, weiß, dass man auch im eigenen Land zum Flüchtenden werden kann – selbst dann, wenn man bleiben muss.
Klima & Umwelt Orte & Regionen Folgen & Verantwortung
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  • Martin Weier, Professor für Informatik an Hochschule RheinMain, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Geboren ist er in Bonn, doch aufgewachsen ist er im Ahrtal. Am Tag der Flut im Juli 2021 rechnet niemand in seiner Nachbarschaft mit einer ernsthaften Bedrohung durch die Ahr. Viele versuchen die Lage herunterzuspielen. Doch mit jeder weiteren Stunde wird klar: Dieses Hochwasser wird anders als bisher.
  • Die Lage spitzt sich am Abend rasant zu. Das Wasser der Ahr steigt unaufhaltsam immer höher. Als die Fluten den Garten der Familie erreichen, packen Martin Weier und seine Frau eilig das Nötigste zusammen und verlassen mit ihren Kindern ihr Haus.
  • Weier und seine Familie fliehen zu seinen Eltern, doch auch dort, circa 500 Meter Luftlinie von der Ahr entfernt, erreichen die Wassermassen das Haus. Während das Erdgeschoss sich mit Wasser füllt, verbringt die Familie im ersten Stock des Elternhauses die Nacht.
  • Als Martin Weier am nächsten Morgen zu seinem Haus zurückkehrt, kann er die Nachbarschaft kaum wiedererkennen. Die Straßen sind immer noch überflutet, Autos stapeln sich übereinander, der Spielplatz am Ende der Straße existiert nicht mehr. Die Realisation über das wahre Ausmaß der Katastrophe setzt nur langsam ein, während Weier und seine Familie mit dem Wiederaufbau beginnen.
  • Der Wiederaufbau ist abgeschlossen, aber die Katastrophe hat Spuren auch bei Martin Weier hinterlassen. Sein Blick auf den Klimawandel und seine Folgen hat sich verändert. Was bedeutet es, in einer Region zu leben, die nie ganz sicher sein wird?

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