Erzählung von Klimaflucht
Paul SCHUMACHER
Winzer im Ahrtal
Verlor bei der Flut in Ahrweiler 2021 Wohnhaus, Produktionsstätten und Restaurant ('Straußenwirtschaft')
Bis zum Sommer 2021 betrieb Paul Schumacher im Ahrtal ein Restaurant mit Straußenwirtschaft, Gästezimmern und einer kleinen Produktion regionaler Spezialitäten – ein Ort der Nähe und des Vertrauens in die Natur. Dann kam das Hochwasser. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich das Tal in eine braune, reißende Masse. Wohnhaus, Küche, Lager, Maschinen, Erinnerungen – alles ging verloren. Das Wasser stand bis in den ersten Stock, die Nacht war laut, ölig, schwarz. Am Morgen danach blieb nur ein Bild aus Geröll, Holz und Leere. Das alte Haus existiert nicht mehr; ein „Weiter so“ war unmöglich.
Aus der Katastrophe wurde eine Vertreibung – und ein Neuanfang. Paul Schumacher musste den Ort verlassen, an dem sein Leben gewachsen war. Heute arbeitet er 120 Meter höher, auf einem Hügel über dem Tal. Dort entstand ein neuer Betrieb – energieautark, aus Holz gebaut, mit Photovoltaik, Pflanzenkläranlage und eigenem Brunnen. Es ist nicht nur Wiederaufbau, sondern ein bewusster Schritt in eine andere Zukunft. Er lebt nun in einer Landschaft, die ihn vertrieben und doch neu getragen hat – als eine Art Klimaflüchtling im eigenen Land.
Die Flut hat gezeigt, dass „Jahrhundertereignisse“ keine Ausnahmen mehr sind. Der Klimawandel zwingt zum Umdenken – auch hier, mitten in Deutschland. Paul Schumacher spricht von Verantwortung und von der Notwendigkeit, mit der Natur zu arbeiten, nicht gegen sie. Die Katastrophe hat viel genommen – aber sie hat auch den Mut zu einem anderen Leben geweckt: höher gelegen, bewusster, verbundener mit dem, was bleibt.